LANDMARKE STADTKRONE

Gestaltwettbewerb:

Landmarke Stadtkrone

 

 

ZEICHENKRAFT

Am erhabensten Punkt des Areals des ehemaligen Freizeitparks Maria Lindenhof, auf der dreieckig zulaufenden Geländespitze nach Westen, im Scheitelpunkt von Wesel-Datteln-Kanal und Lippe soll eine Landmarke den Prozess der „Stadtkrone“ hier auch als lichtes skulpturales Zeichen krönen. Dieses Zeichen soll sowohl von einem ferneren Blickpunkt einen Akzent setzen, wie von den Fuß- und Radwegen aus, die entlang der Gewässerstraßen oder auf den Deichen verlaufen (mit der hoch frequentierten Römer-Lippe-Route), als auch im Gelände selbst ein markanter Anziehungspunkt werden.

Die Landmarke „Stadtkrone“ ist für den künstlerischen Bürgerprozess „Stadtkrone“ zudem die zentrale Startformation, das sinnliche Leitbild, das dem Prozess erste Flügel und dem Anspruch, hier einen hoch qualitativen neuen Weg zu beschreiten, Charakter verleiht.


GESTALTANSPRUCH

Der Charakter der Landmarke entspricht einer lichten Pavillonarchitektur, ihre Materialität sollte sich vorwiegend aus dem Werkstoff Holz speisen. Die Landmarke „Stadtkrone“ entspringt konzeptionell dem Gedanken, hier die Freiheit eines künstlerischen Entwurfs mit architektonischer Präzision und Nachhaltigkeit zu paaren. Dieser Anspruch spiegelt sich auch im Kreis der eingeladenen Wettbewerbsteilnehmer, der bewusst aus Architekten mit einer Künstlerseele oder Künstlern mit einer hohen Affinität zur Raumbildung besteht.

Die Landmarke ist als offene, also weder Türen, noch Fenster, noch komplett geschlossene Räume gestaltende, frei nutzbare Holzständerwerk-Konstruktion gedacht. Sie soll Schutz bieten, also Dachfläche ausweisen, jedoch frei von Raumnutzungsansprüchen sein. Man soll an diesem

Ort Wetterschutz finden, ohne, dass es einen Anspruch an eine Ganzjahrestauglichkeit gibt. Das offene Prinzip ist hier Maßgabe, sowohl im Entwurf, als auch der Nutzungsanforderung. Man mag nur die Aussicht genießen wollen (von daher ist die Möglichkeit der Rundum-Erlebbarkeit für Viele noch die stärkste konkrete Anforderung/viele Lieblingsplätze und „Ausgucke“), oder eine Besprechung haben wollen, man mag einer Lesung lauschen, oder einem kleinen Konzert, man mag hier Yoga machen wollen, in dem Gelände zugewandten Teil mag es bereits Werkbänke für Gartenkreative geben … .

Sicher geht es um die maximal fesselnde Ausnutzung des besonderen Raumes für eine vielfältige nutzungsneutrale Teilhabe der Bürger, die sich diesen Park sukzessive aneignen wollen.

Die Landmarke soll den besonderen Ort in seinen natürlichen Talenten begreifen und skulptural stützen: das Panorama aufnehmen, die Aussicht bewusst stärken, den Verweilmoment abbilden, offenen Raum vielfältig nutzbar darbieten, den genius loci schärfen im Kontext von Urbanität, Landschaft, Niemandsland und wachsender Ortsbedeutung, die Geschichte des Ortes sinnlich einbeziehen.

Es darf alles gedacht werden zwischen dem Wesen eines Gartenhauses und eines Belvederes, auch eine Mehrstöckigkeit, oder begehbare Dachkonstruktion, eine balkonartige Ausladung oder ein Schleppdach nach hinten heraus, auch Mobiliar darf bei Bedarf gedacht werden, lange Tische, Aussichtshocks, Liegen, whatever; alles ist vorstellbar, solange der Raum im Grundsatz offen und Fläche, Statik und Kostenrahmen eingehalten werden.

Strom wird dorthin verlegt. Vorschläge für eine dezente, ökologisch verträgliche

Abendbeleuchtung sind willkommen.

Het Observatorium

Ein Tempelberg zwischen Lippe und Kanal? Eine große Hand scheint das 40 Jahre alte Amphitheater im Park umfasst und ausgelöst zu haben aus allem Irdischen, um es fast identisch in Form und Proportion auf der Kuppe der Landspitze als licht- und luftdurchwobenes Zwillingskonstrukt wieder abzusetzen.

 

Wie das mächtige Gerippe einer halbgefüllten zenbuddhistischen Teeschale kippelt es nun dort auf der äußersten Anhöhenspitze als imposante Raumfigur und bringt sich dabei selbst in innere Balance. So die Fernwirkung.

 

Vom Hochplateau aus differenziert sich der Blick: über einen inneren kreisrunden Sitzkern spannt sich zwischen ordnenden und stützenden Rippen ein mächtiges Dach im 12mRadius. Ein Dach, das trotz seiner Ausmaße, da hangüberlappend, nur begrenzt Schutz bietet, aber viel Regen einzufangen vermag. Ein römisches Impluvium adaptiert es, will Regenwasser als Ressource nutzbar machen, zum einen kontemplativ, zum anderen sinnlich nachhaltig als Ströme durchs obere Areal lenken.

 

Ein „Gelehrtenstein“ ist hier des Pudels Kern, auf den Wasser gezielt sanft plätschernd fallen soll. Im inneren Sitzkreis lädt der Raum ein zu Muße und Besinnung, im äußeren Rund zur Panoramaumschau und Weitsicht. Das Plateau und seine Gestalt wachsen mit den Bürgern im Prozess zur Einheit.

Holtkamp Architekte

Der Stadtkrone eine Gestalt,

den Menschen ein Haus,

der Geschichte und Zukunft ein Ansehen:

 

Drei verschiedenen Himmelsrichtungen zugeneigte Giebel bilden die Spitze einer Krone, ein feinnerviges Bauwerk, seine Haut wie aus einem gefächerten Guss.

 

Horizontal gelagerte Holzbänder geben dem eingeschossigen Dreigiebelhaus seine ganzheitliche Fassung, dazu eine reizvolle kontextuale Beziehung, die Raum und Möglichkeiten ein- und ausfließen lässt. Im Außen ein leichtschwebendes Bauwerk, im Inneren ein Spiel aus Licht und Schatten, gelenkten Sichtbezügen und gezielten Balkonperspektiven.

 

Blau die Schmuckfarbe der Aussichtskanzeln. Der Namensgeberin des Ortes geschuldet, „Maria (´s) Lindenhof“, ehedem lindenumstandener Hof der heiligen Muttergottes gewidmet. Blau auch inspiriert vom Leitmotiv des Stadtkronenprozesses: Jeder Mensch ein Stadtjuwel. Geschichte und Ort, Erinnerung und künftiger Wert fluten ein und aus.

 

Eine lichtzarte Kronenarchitektur, Tag- und Nachtskulptur, austarierend die Erscheinung, changierend zwischen schwebend und manifest, Prozess als nimmermüder transparenter Quell von Inspiration.

Benjamin Bronni

Eine spielerische Verdichtung, eine Stadtteilkomposition aus Form, Farben und Licht.

 

Auf lichtgrünen Masten aufgeständerte, ein naturhölzernes Nest durchdringende, große sattrote Kunststoffkugeln bieten ein munteres skulpturales Bild. 11 stattliche Kirsch-Lollis, eine heitere Raumfigur, die für sich stehen mag; ein Sinnbild auch, das aber Erklärung braucht.

 

11 imposante Kunststoffkugeln symbolisieren im open space die 11 Dorstener Stadtteile und feiern lustvolle Gemeinschaft als Spiel der Möglichkeiten. Eine Krone als selbsgewählte Demontage alles Starren und Unflexiblen. Ein Kommen und Gehen, ein Auf und Ab, Bewegung als Begegnungsprinzip. Puls des Prozesses.

 

Zu ihren Füßen staken die stählernen Stäbe in zwei betongegründeten, holzbeplankten Halbkreisen, geöffnetes Kreissegment, angelehnt an die Typologie des alten Parks, Bänke und Ausblicke bietend, offen für alle Richtungen.

 

Bei Nacht eine Lichtdramaturgie, die das Miteinander als Möglichkeitsraum fortsetzt, korrespondierende leuchtende Stadtteilballons, programmierbar im Prozess, bürgergesteuert, denkbar einfach, denkbar ansprechend.

Kurscheid und Partner

Ein Dach für Viele, für viele unterschiedliche Interessen und viele gemeinsame Aktionen, ein Dach für eine Stadt und ihre Teile als Summe der Qualitäten, verdichtet im Einraumgefühl, gestärkt und gefasst in einer kräftigen Symbolik.

 

Das ganze Plateau ein Schutzraum, ein imposanter Veranstaltungsraum, ein Dach der VielFalt, in der Anmutung tatsächlich aufgefaltet wie eine große Origamifigur.

 

Dabei der Natur auf die Finger, oder besser auf Füße und Fühler geschaut: die Grille, die Naturvertraute, die Erdverbundene, die uralte Begleiterin lauer Sommernächte...

 

Da hockt sie und reckt sich zugleich, nach Westen den Kopf spitzhoch aufgerichtet, den Flügelkörper nach Osten indes sanft gelegt: imposantes Zeichen von Weitem, im Nahbereich großzügigst bemessener Unterschlupf.

 

Ein hölzern-weißes Getier, den Blick im Scheitel des „Gewässerkusses“ bewusst fokussierend verstellt, und dann breit geöffnet an den Flügelflanken mit integrierten Sitzlandschaften, nach Süden kanalseitig auskragend als chilliges Belvedere in den Hang modelliert.

Martin Kaltwasser

Eine Villa Kunterbunt. Ein Haus, das keines ist, als Wohngemeinschaft einer Stadtgesellschaft, die sich findet, ganz im Stile von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf: „wir machen uns die Welt, widdewiddewitt, sie uns gefällt.“

 

Cliffhanger heisst der Entwurf und genau das möchte er auch sein, nicht nur an der Klippe des Parks einen gewagten Balanceakt als „Scheinarchitektur“ wagen, nein, auch einfach de facto unfertig bleiben, prozessual offen, immer im Spannungsmoment des Augenblicks auf der Höhe der Zeit sein.

 

Eine Villa, die hoch droben zwischen Lippe und Kanal weiß aufleuchtet, die aus der Ferne bereits im ersten Impuls Fragen auszulösen imstande ist: was ist es, wer wohnt denn genau dort?

 

Eine Scheinarchitektur, die zwar Räume bietet, vom Keller bis zum Dach, aber keine bis kaum Wände. Dafür Dächer: ein großes, ganz konkret als Wetterschutz, dann aber vor allem ein Dach für viele kluge Gedanken und allerlei kreative Nutzungen. Ein Haus so mega vielfältig und besonders zu erobern, wie hautnah zu betüddeln. Ein Haus, das sicher einen liebevollen Hausherrn braucht, bis die ZukunftsWG steht.

 

Stadtkrone ist das künstlerische Projekt zur Bürgerbeteiligung im Rahmen der Umgestaltung des Freizeitparks Maria Lindenhof, Dorsten.

 Wir machen MITte – Die integrierte Entwicklung der Innenstadt Dorsten wird gefördert und unterstützt durch